Vom Wellenschlag der Weserfähre
Hier erfahrt ihr etwas über die Geschichte der Bremer Stadtteile an der Weser und über die Stadtteilentwicklung zwischen den Stadtteilen Gröpelingen, Walle/Überseestadt und Neustadt/Woltmershausen.
Durch die Etablierung der Weserfähre Bremen wachsen die Stadtteile in Bremens geografischer Mitte zusammen.
Vor 1905
Eine Fährverbindung zwischen dem Dorf Lankenau auf der linken Weserseite und Gröpelingen bestand bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts. Sie wurde neben von links der Weser wohnenden Berufspendlern vor allem von Ausflüglern und Badegästen aus Bremen und dem Bremer Westen genutzt.
Ab 1905 bis 1983
Mit dem Bau der neuen Schiffwerft „A.G. Weser“ 1905 wurde eine neue leistungsstarke Dampffähre zwischen Lankenau und Gröpelingen für die Arbeiter der Großwerft notwendig. Schon nach wenigen Jahren arbeiteten mehr als 10.000 Menschen auf der Großwerft in Gröpelingen, viele leben auf der linken Weserseite und pendeln täglich per Fähre ein und aus.
Auch andere Industrie- und Handelsbetriebe und die boomenden neuen Häfen benötigten verschiedene Fährverbindungen zwischen Fabrikenhafen, Überseehafen, Woltmershauen, Rablinghausen, und „Atlas-Werke“. Neben dem Berufsverkehr zu Wasser nutzen viele Familien am Wochenende die Fähren, um an den Stränden am linksseitigen Weserufer ein Wochenende zu verbringen. Ab 1929 lösten zwei Motorfähren die Dampfschiffe ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die „Adler“ mit einer Beförderungskapazität von 100 Personen ihren Dienst zwischen Gröpelingen und Lankenau auf.
1957 wurde die als Fähre bei Lemwerder eingesetzte „Nordmark“ umgebaut und nach Gröpelingen verlegt. Unter dem Namen „Gröpeln“ (ein Vorschlag aus der Gröpelinger Bevölkerung) löste sie die „Adler“ ab.
Mit dem Bau des Neustädter Hafens (bis 1964) waren die Sandstrände links der Weser zerstört und das beliebte Ausflugslokal „Fährhaus Lankenau“ abgerissen worden. Zwar nahm der Ausflugsverkehr dadurch stark ab, aber weiterhin wurde die „Gröpeln“ für den Berufsverkehr zur „A.G. Weser“ rege genutzt und sogar weitere Stationen (Rablinghausen, Woltmershausen) angefahren.
1969 entstand zwischen Neustädter Hafen und Weser ein Radar- und Kontrollturm des Bremer Hafenamtes mit Verwaltungs- Sozial- und Umkleideräumen. 1977 wurde direkt neben diesem Radarturm das Ausflugsrestaurant „Lankenauer Höft“ erbaut, das zu einem starken Aufschwung des Fährverkehrs führte.
1981 wurde die „Gröpeln“ außer Betrieb gesetzt, da immer mehr Arbeiter der Werft ins Umland gezogen waren und mit eigenem PKW zur Arbeit kamen – und insgesamt nur noch wenige Tausend Menschen auf der Werft arbeiteten. Damit endet vorerst der Fährverkehr zwischen Gröpelingen und dem Lankenauer Höft.
Als Zeichen der internationalen Solidarität wurde die „Gröpeln“ 1982 ins revolutionäre Nicaragua verschenkt. Sie sollte als Versorgungsschiff für die Inselgruppe Solentiname im südlichen Nicaraguasee, der Heimat des sandinistischen Befreiungskämpfers Ernesto Cardenal, eingesetzt werden. Allerdings kam das Schiff nie zum Einsatz: Es wurde noch bei der Überfahrt auf dem Nicaraguasee von den von den USA finanzierten „Contras“ beschossen und stark beschädigt und damit die Infrastruktur des revolutionären Landes weiter geschwächt. Die manövrierunfähige „Gröpeln“ geriet lange in Vergessenheit, eine Notreperatur – finanziert vom DGB Bremen – ermöglichte die Überführung auf eine Werft. Aber die 1990 neugewählte Regierung Nicaraguas hatte kein Interesse an dem Schiff. 2010 wurde die „Gröpeln“ abgewrackt.
1983 wird die „A.G. Weser“ geschlossen und damit eine neue Phase in der Entwicklung Gröpelingens eingeleitet: Prägte bis 1983 die international zusammengesetzte Industriearbeiterschaft den Stadtteil, so begann nach der Schließung der Werft für den Stadtteil die Phase eines tiefgreifenden Strukturwandels.
Ab 1990
Mit dem Beginn der städtebaulichen Sanierung in Gröpelingen ab 1990 werden zahlreiche infrastrukturelle, soziale und kulturelle Projekte in Gröpelingen umgesetzt. Ab 1994 werden umfangreiche EU-Gelder im Programm „URBAN I“ für Gröpelingen mobilisiert und u.a. damit das „Torhaus Nord“ und der Verein „Kultur Vor Ort“ aufgebaut.
Die Zukunft des Geländes der „A.G. Weser“ ist nach der Schließung der Werft allerdings lange ungewiss: Mehrere Millionen DM werden aufgewendet, um auf dem Gelände eine Zentrale Montage- und Umschlagstätte für Großanlagenbau zu errichten. Mit staatlichen Subventionen wird sogar der blaue Bockkran noch ins Wasser verlängert – doch die neue industrielle Nutzung wird nicht realisiert. 1994 startet der großflächige Abriss aller Bauten auf dem Gelände, der Boden wird nicht saniert.
Seit diesem Zeitpunkt stehen Pläne für einen großen Freizeitpark im Raum: Eine private Investorengruppe will mit staatlichen Subventionen einen „Spacepark“ auf dem Werftengelände errichten.
Durch den Abriss der Werftanlagen wird der alte Fährweg wieder öffentlich zugänglich. Eine ehemalige Werkshalle zur Ausbildung der Azubis der Werft wird vom Betreiber des „Modernes“ – in der Neustadt gekauft und zum Kultur- und Veranstatungszentrum „PIER 2“ ausgebaut: https://www.pier2.de
Der sanierte Gröpelinger Fährweg führt zum „PIER 2“. Erstmals wird damit eine kulturelle Nachnutzung nicht mehr brauchbarer Industrieareale möglich. Das „PIER 2“ wird zum Symbol des Strukturwandels im Bremer Westen.
In großem Tempo verändert sich die gesamte ehemalige Werften- und Hafenlandschaft im Bremer Westen.
Der 1991 geschlossene „Überseehafen“ wird mit 5.000 m³ Sand verschüttet. Ab 2001 beginnen die Baumaßnahmen zum Umbau und Ausbau zu einer Überseestadt mit Gewerbe und Wohnen.
Direkt am „PIER 2“entsteht mit EU-Mitteln der städtebaulichen Sanierung ein neuer Fähranleger, der mit einem großen Weserfest eröffnet wird. Zwar ist ein regelmäßiger Fährverkehr noch nicht in Sicht, aber die Infrastruktur ist nun errichtet und bietet eine Option für die Zukunft.
Seit der Industrialisierung und dem Hafenbau ab 1880 ist der Stadtteil durch große, nicht zugängliche Industrieareale, vom direkten Zugang zur Weser abgeschnitten. Das strategische Ziel der städtebaulichen Sanierung ist es, Gröpelingens Lage direkt an der Weser nun zur Steigerung der Attraktivität des Stadtteils besser zu nutzen.
2004
Nach vierjähriger Bauphase wird der „Spacepark Bremen“ als erster überdachter Freizeitpark Deutschlands auf dem ehemaligen Gelände der AG Weser eröffnet und im selben Jahr wieder geschlossen. Die neu entstandene Weserpromenade und das im Spacepark befindliche MultiplexKino „CineSpace“ bleiben erhalten: www.cineplex.de/bremen
2006
Das Weserufer im „Rablinghauser Weseruferpark“ wird renaturiert. Der „Pusdorfer Sandstrand“ wird angelegt.
Der „Spiel- und Wassergarten“ in Pusdorf entsteht.
2007
Der erste von Kultur Vor Ort, Gröpelingen Marketing und Hal Över initiierte Bremer Fährtag „Weserwege“ findet statt und wirbt für eine Fährverbindung zwischen Gröpelingen, Überseestadt und Woltmershausen. Die gesamte Flotte der Reederei Hal Över kreuzt zu diesem Anlass die Weser: www.hal-oever.de/de/flotte
Für die Weserwege wird eigens eine App entwickelt, die die Bewegungen der Schiffe und die Abfahrten anzeigt.
Der Bremer Fährtag „Weserwege“ wird bis 2016 jedes Jahr veranstaltet.
2008
Das Einkaufszentrum „Waterfront Bremen“ wird auf dem Gelände des ehemaligen „Spacepark Bremen“ eröffnet: www.waterfront-bremen.de
2009
Der neue Strand „Pusdorfer Sand“ wird eröffnet.
2011
Das Kinderkunstprojekt „Treibgutfischer“ organisiert Fährfahrten von Gröpelingen zum „Pusdorfer Sand“.
2013
Hier startet die erste Probesaison der „Weserfähre Bremen“, der Bremer Fährtag bildet den Saisonauftakt. Das Fahrgastschiff ist die „Pusdorp“. Die Fähre fährt vom 01.05. bis zum 29.09.2013 an Sonn- und Feiertagen. Der Samstag wird ab Juni ins Programm aufgenommen. Die Fahrzeiten sind 10:30 – 18:30 Uhr.
In dieser ersten Probesaison werden über 16.000 Fahrgäste befördert.
2014
Die Weserfähre Bremen fährt ihre erste reguläre Saison vom 01.05. bis zum 28.09.2014 und nimmt den Samstag zusätzlich zu den Sonn- und Feiertagen fest ins Programm auf, die Fahrzeiten sind 10:30-18:30 Uhr.
2015
Die Fährsaison beginnt am 25.04.2015 und endet am ersten Oktoberwochenende.
In der Überseestadt entsteht der „Sportgarten“ am Winterhafen.
Die Weserfähre Bremen erhält eigene Webseite www.weserfähre-bremen.de
In den Folgejahren geht die Fährsaison von Ostern bis Anfang Oktober.
2016
Ende des Jahres schließt das traditionelle Ausflugslokal Lankenauer Höft – auch damit geht eine Ära zu Ende.
2017
Das ehemalige Gastronomie am Lankenauer Höft wird durch die Stadt, dem Architektenkollektiv ZwischenZeitZentrale zur Nutzung überlassen. Es wird im Herbst und Winter 2017 durch einen Elektroclub genutzt.
2018
In der Überseestadt entsteht der Stadtstrand „Waller Sand“. Durch diese Großbaustelle direkt am Anleger „Molenturm“ wird in dieser Saison als Ausweich der Anleger am „Landmarktower“ in der Überseestadt angefahren, der Schiffsfahrplan verändert sich dadurch.
Die „Golden City Hafenbar“ zieht mit Kultur und gastronomischem Angebot ans Lankenauer Höft: www.goldencity-bremen.de
Durch die Baumaßnahmen am „Molenturm“ kann die Fährsaison erst verspätet beginnen. Die Fährsaison geht wieder bis zum ersten Oktoberwochenende. Der Freitag wird als Fährtag fest ins Programm aufgenommen. Die Fährzeiten am Freitag und Samstag werden bis August in die späten Abende ausgeweitet für die Gäste des Golden City: Freitag 17:30 – 22:30 Uhr und Samstag 10:00 – 22:30 Uhr.
2019
Die Fährzeiten der Weserfähre Bremen ändern sich auf 11:00 – 19:00 Uhr. An 9 Samstagen und einem Freitag fährt die Fähre bis Mitternacht für die Gäste der „Golden City Hafenbar“ und „Gröpelinger Sommer„.
2020
Die Corona-Pandemie führt zur Einschränkung der Fahrgastmitnahme.
Die Fährsaison startet erst Mitte Mai.
Der Freitag wird wieder aus dem Programm genommen. Die Fahrzeiten sind sams-, sonn- und feiertags 11:00 – 19:00 Uhr.
Zu Beginn der Saison fehlen der Anleger „Lankenauer Höft“ und Anleger „Molenturm“, ohne Ankündigung der Behörden.
Im Mai pendelt die Fähre zunächst zwischen den Anlegern „Pier 2 / Waterfront“ und „Landmarktower“ im Stundentakt.
Der Anleger „Lankenauer Höft“ wird im Juni bereitgestellt, die Weserfähre steuert fortan „Pier 2 / Waterfront“ und „Lankenauer Höft“ an. Die Überseestadt wird dreimal pro Tag über den „Landmarktower“ angefahren.
Das ehemalige Gastlokal „Lankenauer Höft“ steht leer ohne eine gastronomische und kulturelle Zwischennutzung der vorangegangenen Jahre.
Der Beirat Gröpelingen fordert die Sicherstellung des Fährbetriebs für 2020-2023.
Das Naherholungsgebiet „Waller Sand“ erhält zwei Preise: „Bundespreis Stadtgrün 2020“ und „Deutscher Städtebaupreis 2020“.
2021
Die Seebühne Bremen wird durch das Metropol Theater Bremen an der Waterfront-Promenade zum Leben erweckt: www.seebuehne-bremen.de
Das leerstehende Gastronomiegebäude am Lankenauer Höft wird abgerissen, die „Lankenauer Höft Projektgesellschaft mbH“ eröffnet einen Stadtstrand mit gastronomischem Angebot und Spielplatz.
Der Freitag wird als Fährtag für Juli und August wieder ins Programm aufgenommen. Die Fährzeiten werden in diesen Sommermonaten bis 22:00 Uhr ausgeweitet.
Die Weserfähre Bremen befördert erstmals knapp 21.000 Fahrgäste.
2022
Die Fähraison geht vom 01.04. bis zum 03.10.2022. Die Fährzeiten sind Freitag 16:00 – 22:00 Uhr, Samstag 12:00 – 22:00 Uhr und Sonn- und Feiertag 10:00 – 20:00 Uhr.
Die Weserfähre befördert über 18.000 Fahrgäste.
2023
Zur Feier von 10 Jahren Weserfähre Bremen entsteht der Audioguide „Die Pusdorp erzählt“.
Die Fährzeiten sind Samstag 12:00 – 22:00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen 10:00 – 20:00 Uhr. In den Sommermonaten Juni bis August fährt die Fähre am Freitag 16:00 – 22:00 Uhr.
Die Weserfähre befördert knapp 19.000 Fahrgäste.
Im Frühsommer 2023 werden die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum Fährbetrieb auf der Weser und im Wendebecken vorgestellt. Diese befassen sich mit einer Analyse zu dem Bedarf, der Umsetzbarkeit sowie der Wirtschaftlichkeit und dem Betrieb von Fähren auf der Weser. Es werden Faktoren wie Schiffstypen, Anlegesituation, klimafreundliche / klimaneutrale Antriebe und zu erwartende Fahrgastzahlen berücksichtigt. Im Ergebnis erscheint die jetzt auch schon touristisch genutzte Variante B der Machbarkeitsstudie, die Dreiecksverbindung Pier 2 – Molenturm – Lankenauer Höft, am chancenreichsten. Eine Integration von Fährverkehr auf der Weser in den ÖPNV bringt größere Herausforderungen mit sich. Aus der Machbarkeitsstudie werden aber keine konkreten Maßnahmen abgeleitet.
2024
Das Schiff „Pusdorp“ wird 70 Jahre: www.kultur-vor-ort.com/die-pusdorp-feiert-ihren-70-geburtstag
Galt die Weserfähre Bremen bisher als Tagesausflugsschiff ist sie nun ganz offiziell als Fähre registriert. Fähren sind Schiffe, die Menschen, Fahrräder, Autos oder Güter an einen anderen Ort über den Fluss, einen See oder ein Randmeer bringen. Die „Pusdorp“ gehört zur Binnenschifffahrt. Sie ist Teil des öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und verkehrt nach festen Zeiten saisonal in den Sommermonaten.
Das neu gebaute „Lankenauer Höft“ feiert seine Eröffnung: www.lankenauerhoeft.de
Die Fährzeiten der Weserfähre Bremen sind: Freitag (Juni – Juli) 16:00 – 21:00 Uhr, Samstag 12:00 – 21:00 Uhr und Sonn- und Feiertage 11:00 – 20:00 Uhr.
2025
Die Stadtteilinitiative „Alles Bremen“ macht ein einladendes Social Media Video zur Weserfähre Bremen und Besuch der Stadtteile: www.instagram.com/p/DNF-8x3t5es
Die Fährzeiten 2024 haben sich bewährt und werden übernommen. Der Freitag kommt als Fährtag für Juli und August dazu.
Die Weserfähre befördert erneut über 19.000 Fahrgäste.
2026
Die Weserfähre Bremen bekommt eine neue barrierefreie Webseite.
Die Weserfähre Bremen erhält eigenen Instagram-Account: www.instagram.com/weserfaehrebremen
Die Buslinie 24 fährt regulär auch an Sonntagen bis zum Lankenauer Höft.
Der Rablinghauser Deich wird nach drei Jahren Bauzeit mit einem erweiterten und erhöhten Abschnitt zur Verstärkung des Hochseewasserschutzes fertiggestellt.
